Logo IMC Fachhochschule Krems

News #Gesundheit#Gesundheits- und Krankenpflege

Pflege ermöglichen

Institutsleiter für Pflegewissenschaft an der IMC FH Krems kämpft für Ausbildungsreform

Weshalb sich Österreich trotz Corona-Krise ein Gesundheitssystem ohne Plan, Kraft und Mut leistet diskutierten in einer Pressekonferenz Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft sowie Studiengangsleiter Gesundheits- & Krankenpflege an der IMC FH Krems, zusammen mit Hilfswerk-Präsident Othmar Karas und Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich.

Studiengangsleiter Markus Golla mit Hilfswerk-Präsident Othmar Karas und Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich bei Pressekonferenz

Hilfswerk-Präsident Othmar Karas, Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft sowie Studiengangsleiter Gesundheits- & Krankenpflege an der IMC FH Krems, diskutierten zusammen mit Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich bei der Pressekonferenz über die Zukunft der Pflegeausbildung und des Pflegeberufs.

Es brauche in der Pflege "wie in der Pandemie einen gemeinsamen nationalen Kraftakt", betonte Hilfswerk-Präsident Othmar Karas in der Pressekonferenz. "Die Pflege darf selbst kein Dauerpflegefall werden. Sie braucht dringend ein Reha-Programm." Einmal mehr verwies er auf Berechnungen, wonach es bis ins Jahr 2030 rund 100.000 neuer Arbeitskräfte bedürfe, "damit es zu keiner dramatischen Versorgungslücke kommt". Ohne wirksame Lösungen zur Behebung des Personalmangels bleibt die Pflegereform Makulatur. Ohne Pflegekräfte keine Pflege!“, umreißt Hilfswerk-Präsident Othmar Karas die dramatische Personalsituation. Zugleich räumt Karas mit dem gängigen Vorurteil auf, die Berufsbilder in der Pflege seien schlicht zu unattraktiv.

Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft sowie Studiengangsleiter Gesundheits- & Krankenpflege an der IMC FH Krems, ist überzeugt, dass man auch über die ökonomische Seite der Ausbildung nachdenken muss. Ein „Taschengeld“ zwischen 100,- und 400,- Euro pro Monat und in der Regel unbezahlte Pflichtpraktika seien nicht gerade ein Anreiz. „Fehlt die finanzielle Unterstützung der Eltern, müssen Auszubildende einer beruflichen Tätigkeit zur Deckung des Lebensunterhalts nachgehen. Diese Doppelbelastung ist ein wesentlicher Drop-Out-Faktor“, ist sich Markus Golla sicher. Für Studierende an Fachhochschulen gäbe es zwar Stipendien. Doch nur jede und jeder achte Studierende kann sie in Anspruch nehmen. Denn: „Die Einkommensgrenzen der Eltern sind nicht angehoben worden, die Alterslimits bei Stipendien sind für Späteinsteiger zu niedrig. Mitunter müssen Studierende das Studium, ein unbezahltes Praktikum und einen Brotjob unter einen Hut bringen. Das ist angesichts der Personalsituation in der Pflege schlicht unvernünftig“, ärgert sich Markus Golla.

Das Hilfswerk fordert deshalb die Übernahme der Ausbildungskosten und die Sicherung des Lebensunterhalts analog zum durchaus erfolgreichen Modell in der Polizeiausbildung.

Es brauche ein entsprechend bemessenes Pflegeausbildungsstipendium für Auszubildende an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen, Fachhochschulen und in Kursen von Ausbildungsträgern (wie bfi und WIFI) in der Höhe von 1.000 bis 1.200,- Euro pro Monat. Damit wären laut Hilfswerk auch die Praktika abgedeckt. Um Betriebe für die wachsende Zahl an Praktikantinnen und Praktikanten sowie deren berechtigte Ansprüche zu rüsten und sie zu bestmöglichen Verbündeten im Ausbildungssystem zu machen, ist es laut Hilfswerk nötig, Ausbildungsplätze für Praxisanleiterinnen und Praxisleiter bereitzustellen. Ausbildungs- und Freistellungskosten seien abzudecken, dasselbe gelte für die Tätigkeit der Praxisanleiterinnen und Praxisleiter. „Ein gelingendes Praktikum ist ein entscheidender Schlüsselfaktor für den weiteren Verlauf der Ausbildung und Berufslaufbahn“, sagt Markus Golla.

Personalbedarf und notwendige Ausbildungskapazitäten unterschätzt

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat ihre 2017 erstmals publizierten Personalbedarfs¬zahlen, wonach Österreich bis 2030 über rund 75.700 Pflegepersonen mehr benötige, mittlerweile auf über 90.900 Kräfte revidiert. Der Grund liegt darin, dass das inzwischen etablierte Gesundheitsberuferegister einen höheren Personalbestand ausweist, als ursprünglich angenommen. (Dennoch werden dadurch etliche Fachkräfte, die außerhalb des klassischen Gesundheits- und Pflegewesens arbeiten, nicht mitgezählt.) Ersetzt man überdies die Annahme einer Verweildauer im System bis zur Pensionierung durch entsprechende Fluktuationsziffern und „preist“ die bereits aktuell gegebene Unterbesetzung (dauerhaft offenen Stellen) „ein“, steigt der Bedarf nochmals erheblich.

Dasselbe gilt für den Fall, dass man eine realistische Drop-out-Rate während der Ausbildung berücksichtigt. Aber auch die rechnerische Integration von Innovationen wie der Umsetzung des Community-Nursing-Modells, das die Regierung angestoßen hat, oder eine qualitative Verbesserung der Versorgungslandschaft erfordern Anpassungen. Bei geschätzten knapp 5.000 jährlichen Absolventinnen und Absolventen der Pflegeausbildung zwischen 2022 und 2030 ergibt sich – je nach Jahr – ein Mehrbedarf zwischen 1.810 und 4.280 Absolventinnen und Absolventen, das bedeutet zwischen 35 und 90 Prozent.

Quellen: APA OTS und Medinlive