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Wissenschaft gegen viele Vorzeichen

Absolventinnen und Absolventen von Business-Studiengängen landen nur selten im Wissenschaftssektor. David Bourdin ist eine solche Ausnahme und beeindruckt mit einer hoch engagierten Forscherkarriere.

Porträt von David Bourdin

David Bourdin beeindruckt mit einer hoch engagierten Forscherkarriere. © Fotocredit: FHWien der WKW

David Bourdin, geborener Wiener, hat als Erster in der Familie studiert und die Österreich-typische „Bildungsvererbung“ überwunden. Nach dem Bachelor-Studium Tourism Management (jetzt Tourism and Leisure Management) an der IMC FH Krems hat er ein Master-Studium in Marketing & Strategy an der University of Warwick und einen PhD in Internationalem Marketing an der Universität Wien angeschlossen. Heute ist er neben seinem Job als Wissenschaftler nebenberuflich Vortragender am transnationalen IMC-Standort an der Tashkent State University of Economics, Usbekistan.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich für den Bachelor-Studiengang Tourism Management an der IMC FH Krems entschieden haben?

Die exzellente Reputation des Studiengangs und der IMC FH Krems insgesamt, aber auch die starke internationale Ausrichtung waren entscheidend. Es war damals in Österreich der einzige Studiengang, der diese drei Merkmale aufweist: a) komplett englischsprachig, b) optionales Auslandsstudiensemester und verpflichtendes Auslandspraktikum und c) zwei verpflichtende Fremdsprachen vom ersten bis zum letzten Semester. Ich habe mich für Russisch und Spanisch entschieden.

Was waren für Sie die emotionalen Highlights des Studiengangs?

Da gibt es mehrere. Einerseits, dass wir so eine internationale Kohorte waren. Abgesehen von den „Incomings“ jedes Semester waren in unserem Jahrgang auch reguläre Studierende, etwa aus China, Thailand, den Bahamas oder Georgien, die extra für das dreijährige Bachelor-Studium nach Österreich gekommen sind. Ein Highlight waren das soziale Leben und die Kollegialität in unserem Jahrgang, die Freundschaften, die entstanden sind. Kaum jemand hat in Krems zu Beginn des Studiums Freundinnen und Freunde oder Familienmitglieder. Das schweißt die Studienanfängerinnen und -anfänger sehr stark zusammen. Durch die überschaubare Größe von Krems ist es nett, immer wieder Studienkolleginnen und -kollegen über den Weg zu laufen. Dieser kollegiale Zusammenhalt und die entstandenen Freundschaften halten bis heute – elf Jahre nach Abschluss des Studiums.

Und was hat Sie fachlich begeistert?

Mein persönliches Highlight war mein Practical Training Semester (PTS) in Toronto, Kanada. Der Job bei einem Tour Operator hat Spaß gemacht und ich hatte die Möglichkeit, viel zu reisen und das Land kennenzulernen. Kanada ist im Zuge dessen zu meinem Lieblingsland avanciert und ein paar Jahre später habe ich einen 7000km-Solo-Roadtrip durch das Land gemacht.

Was hat Ihnen die Ausbildung an der IMC FH Krems für Ihren Werdegang gebracht?

Die Ausbildung an der IMC FH Krems ist generell auf einem sehr hohen Niveau. Mir persönlich hat sehr geholfen, dass uns bereits im Bachelor-Studium eine solide Grundlage in Statistik vermittelt wurde. An statistischen Methoden kommt man in einer wissenschaftlichen Karriere in meiner Disziplin nicht vorbei, jedoch fehlte im Master-Studium in Großbritannien eine statistische Ausbildung. Ohne das Bachelor-Studium in Krems hätte ich zu Beginn meines PhD-Studiums von Null beginnen müssen. So konnte ich auf mein gutes Grundwissen aus Krems zurückgreifen.
Zweitens wird nach Studienabschluss die Praxiserfahrung, die man an der IMC FH Krems durch das Praktikum sammelt, von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern sehr geschätzt. Da das Praktikum im Ausland stattfindet, gibt es neben der Vermittlung von Fachkenntnissen auch eine zusätzliche interkulturelle Bereicherung vor allem durch unterschiedliche Herangehensweisen an herausfordernde Situationen, im Umgang mit Geschäftspartnerinnen und -partnern oder in der internen Unternehmenskommunikation. 
Zu guter Letzt habe ich auch von meinem Erasmus-Auslandsaufenthalt an der Linnaeus University in Schweden sehr profitiert, hauptsächlich von den unterschiedlichen Lernmethoden und -modellen mit kritischer Reflexion und strukturierter Argumentation in Essays. Es gibt aber auch kulturelle Unterschiede in der Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden. Diese Erfahrungen erweitern den Horizont und verbessern die kulturelle Anpassungsfähigkeit im späteren Leben.

Was ist das Besondere an der IMC FH Krems?

Neben der herausragenden Qualität der Lehre und der starken internationalen Ausrichtung ist es für mich der kollegiale Zusammenhalt während und nach dem Studium. Das passiert einerseits von selbst durch die Situation, aber auch dank der Mühen des Alumni-Teams, die es schaffen, das Engagement und Involvement der Alumni auch Jahre nach dem Studienabschluss hochzuhalten.

Sie unterrichten zudem als Lektor in Tashkent. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Die kulturellen Unterschiede zu Österreich sind enorm. Die persönliche Distanz zwischen Studierenden und Lehrenden ist größer als in Österreich. Usbekische Studierende sind sehr höflich und formell in ihrer Kommunikation, aber gleichzeitig eher schüchtern und passiv. Interaktion und Mitarbeit im Unterricht muss man erst aus ihnen „herauskitzeln“. Außerdem musste ich feststellen, dass manches auf den zweiten Blick anders ist als gedacht. Ich erfuhr, dass manche Studierenden fast ihr gesamtes Studium am Smartphone absolvieren, weil sie sich keinen Laptop leisten können oder sich ein Schlafzimmer mit mehreren Geschwistern teilen. Das hat mich toleranter und verständnisvoller für ausgeschaltete Kameras in Zoom-Vorlesungen oder zu spät eingereichte Unterlagen gemacht. Ich finde es sehr spannend, das Land und die Kultur kennenzulernen.

Sie haben nach Ihrer Ausbildung eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ein wesentlicher Grund war Neugierde. Die Vorstellung, an Fragen zu arbeiten, für die es noch keine Antworten gibt, oder mögliche Modelle für Phänomene zu testen, für die es noch keine Erklärung gibt, hat mich sehr gereizt. Ich mag den wissenschaftlichen Prozess gerne, diesen ereignisreichen Weg von einer Forschungsfrage zu einem fertigen Artikel. Meine Faszination dafür wurde schon an der IMC FH Krems geweckt und dann im Master-Studium noch verstärkt, weil ich das Glück hatte, in beiden Fällen herausragende Betreuer für meine Abschlussarbeiten gehabt zu haben.
Ich hatte ursprünglich nicht vor, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Dann habe ich ein PhD-Studium an der Universität Wien begonnen, weil es mich gereizt hat, dass man in der Forschung so viel Gestaltungsspielraum hat und großteils frei entscheiden kann, woran man forscht und in welchem Tempo. Für mich persönlich ist das Potenzial zur Selbstverwirklichung in der Forschung einfach höher als in der Privatwirtschaft.
Ein zweiter – aber definitiv nicht vorrangiger – Grund für das PhD-Studium war ehrlicherweise, mir selbst zu beweisen, dass es möglich ist. In der Schule hatte ich sehr schlechte Noten und ich war nach der Matura völlig orientierungslos. Beim Bundesheer hatte ich dann Zeit, mich mit FH-Studiengängen zu befassen und habe den passenden für mich gefunden. Außerdem war ich in meiner Familie der Erste mit Matura, daher wollte ich ausprobieren, ob es mit genügend Motivation und Ausdauer für mich möglich ist, die in Österreich stark ausgeprägte „Bildungsvererbung“ zu überwinden.

Was sind Ihre wissenschaftlichen Fokusthemen?

Kulturelle Stereotypen, internationale Markenpositionierung, Kundenmitwirkung bei Dienstleistungen, Interaktionen zwischen Angestellten und Kundinnen und Kunden sowie kognitive Verzerrungen in der Wahrnehmung von Zahlen.

Wo sehen Sie sich in zehn, fünfzehn Jahren?

Immer noch im Hochschulbereich, weiterhin in der Forschung, als Spezialist in ein bis zwei Gebieten.

Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der nach einem FH-Studium eine wissenschaftliche Karriere anpeilt?

Absolventinnen und Absolventen eines FH-Masters müssen sich möglicherweise auf zwei Dinge einstellen, wenn Sie ein PhD-Studium beginnen wollen: Sie müssen Leistungen aus dem Master-Curriculum der Universität nachholen, im Normalfall ist das parallel zum PhD-Studium möglich. In vielen Fällen ist noch vor dem PhD-Studium eine Betreuungszusage nötig, für die potenzielle Betreuerinnen oder Betreuer selbstständig kontaktiert werden müssen. Da es an den meisten Lehrstühlen nur wenige Habilitierte gibt, ist der Konkurrenzkampf um Betreuung entsprechend groß. Ich empfehle daher FH-Studierenden, sich eine wissenschaftlich versierte Betreuung an der FH zu suchen und ein solides empirisches Forschungsdesign auszuarbeiten. Mit einer hochwertigen wissenschaftlichen Arbeit kann ein Paper bei einer Konferenz eingereicht werden und man hat einen Beweis, dass man auf hohem Niveau forschen kann.

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