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News #Forschung#Musiktherapie

Wirkung der personalisierten Musiktherapie bestätigt

Forschungsarbeiten im Josef Ressel Zentrum für personalisierte Musiktherapie an der IMC FH Krems erfolgreich abgeschlossen

Forschungsarbeiten im Josef Ressel Zentrum für personalisierte Musiktherapie an der IMC FH Krems erfolgreich abgeschlossen

Das Josef Ressel Zentrum (JRZ) an der IMC Fachhochschule Krems widmete sich der Schaffung evidenzbasierter Grundlagen für eine personalisierte Musiktherapie im Bereich der Rehabilitation von Schlaganfallpatient*innen.
Das Forschungsinstitut für personalisierte Musiktherapie wurde 2016 von Prof.(FH) Priv.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Tucek, dem Leiter des Instituts für Therapiewissenschaften an der IMC FH Krems ins Leben gerufen und konnte im Frühjahr 2022 abgeschlossen werden.
Die besondere Ausrichtung in diesem Forschungszentrum lag darin, möglichst unverfälschte Daten aus einem „real world Setting“ zu generieren, was die Herausforderung mit sich brachte, ein mobiles „Labor“ zu den Patient*innen in die Klinik zu bringen, anstelle Patient*innen in einem Labor mit kontrollierten und standardisierten Rahmenbedingungen zu testen.

Im Zeitraum zwischen 2016 – 2022 wurden daher zunächst die Messmethoden für eine mobile Testung unter realen klinischen Alltagsbedingungen entwickelt und im zweiten Teil der Laufzeit im Krankenhaus-Alltag zur Anwendung gebracht.

Die Forschungsarbeiten gliederten sich in drei miteinander inhaltlich verbundene Forschungsschwerpunkte:

Projektstrang 1: Right Period-Projekt

Die klinische Praxis zeigt, dass Patient*innen zwischen einzelnen Therapien Erholungszeiten benötigen. Das Forschungsteam stellte sich die Frage, woran diese valide erkennbar und wie sie planbar sind. Auf der Basis von chronobiologischen Rhythmen und eigens entwickelten Fragebögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung versuchte das Forschungsteam das Ziel einer präzisen individuell abgestimmten Therapieplanung mit der Perspektive umzusetzen, in Zukunft effizientere und möglicherweise kostengünstigere Therapien zu ermöglichen.

Projektstrang 2: Right Moment-Projekt

Praktiker*innen beschreiben, dass es in jeder Therapie „besondere“ Momente gibt, die für den Therapiefortschritt richtungsweisend sind. Ziel dieses Projektes war es, derartige Momente in einem Real-World- und Real-Time-Setting wissenschaftlich zu erfassen. 
Mit Hilfe von Methoden aus den sozialen Neurowissenschaften, sowie der Anthropologie entwickelte das Forschungsteam ein komplexes Setup, das es ermöglichte, reale Therapien, in denen diese Momente sichtbar- und beschreibbar wurden, durchzuführen.
Nach der Erprobung im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, gelang es als weltweit erste Arbeitsgruppe EEG Hyper-Scanning-Daten von 12 Patient*innen in einem realen klinisch-musiktherapeutischen Geschehen zu erheben.

Projektstrang 3: Empathie-Projekt

Besondere Bedeutung hat Empathie und Mitgefühl für Menschen in Gesundheitsberufen. Eine der größten Herausforderung es ist, diese Fähigkeiten während der Ausbildung bzw. während der beruflichen Tätigkeit auszubauen und nicht gegenüber dem Leid anderer abzustumpfen. Im Rahmen des Forschungszentrums wurden valide Messmethoden und Auslöser für eine empathische Reaktion gefunden und getestet.
Der erste Teil des Projektes beinhaltete die Entwicklung valider Messmethoden mittels Biomarker und Fragebögen, sowie die Etablierung eines „Triggerfilms“ zur Auslösung einer empathischen Reaktion. Im zweiten Teil kamen diese Methoden im Rahmen einer Pilotstudie während eines Empathie-Trainings zur Anwendung.

Forschungsbereiche „Right Period“ und „Right Moment“

„Patientinnen und Patienten, aber auch Therapeutinnen und Therapeuten, haben in der Rehabilitation im Tagesverlauf in ihrer Aktivität Höhepunkte genauso wie Tiefpunkte. Zwischen den Therapien brauchen sie Erholungsphasen. Bei einem vollen Therapieplan sind die Patientinnen und Patienten irgendwann an einem Punkt, wo sie zu erschöpft sind, um die angebotenen Impulse noch gewinnbringend verarbeiten zu können. Mit gezielten Erholungsphasen zwischen den einzelnen Therapien können größere Therapieerfolge erzielt werden.“, erklärt Tucek.
Der zweite Forschungsschwerpunkt des Josef Ressel Zentrums beschäftigte sich mit dem „Right Moment“: In der Neurorehabilitation gibt es bei schweren Schädel-Hirn-Traumata in der Frühphase einen Moment, in dem zwischen dem*der Patient*in und dem*der Therapeut*in eine Verbindung entsteht. Um diesen so genannten „Right Moment“ wissenschaftlich beschreiben und belegen zu können, verwendeten Gerhard Tucek und sein Team das Modell der sozialen Neurowissenschaften. Untersucht wird das Phänomen mit „Hyper Scanning EEGs“, also mit parallel geschalteten EEGs. 

Mitgefühl und Empathie von Therapeutinnen und Therapeuten

Laut Tucek gilt als zentraler Faktor (musik-)therapeutischer Arbeit das Herstellen einer vertrauensvollen, therapeutischen Beziehung als Grundlage einer konstruktiven und freudvollen Zusammenarbeit zwischen Patient*innen und Therapeut*innen. Die Herausforderung für Therapeut*innen ist es, sich auf jede Person auch dann einzulassen, wenn es bereits die zehnte Therapie im Tagesverlauf ist. Hierfür bedarf es spezifisch geschulter Persönlichkeiten.
„Es ist uns gelungen, valide Messmethoden und Trigger für das Auslösen einer empathischen Reaktion zu erarbeiten. Auf dieser Basis können nunmehr Schulungsprogramme entwickelt und evaluiert werden.“ so Tucek.

Über das Josef Ressel Zentrum

In Josef Ressel Zentren wird anwendungsorientierte Forschung auf hohem Niveau betrieben, hervorragende Forscher*innen kooperieren dazu mit innovativen Unternehmen. Unternehmenspartner des Josef Ressel Zentrums für personalisierte Musiktherapie an der IMC FH Krems waren NÖGUS und die Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur , ProMente-Reha sowie s-team IT solutions GmbH. Forschungspartner sind die FH St. Pölten, die FH Gesundheit Tirol und die Anglia Ruskin University in Cambridge. Das Josef Ressel Zentrum wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW), der Christian Doppler Forschungsgesellschaft sowie den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert.