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warrify: Vom Start-up zum Erfolg

Simon Hasenauer hat von 2015 bis 2018 den Bachelor-Studiengang „Unternehmensführung und E-Business Management“ an der IMC FH Krems absolviert. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Enzo Duit und Jan Kreuter sowie dem TU-Studenten Mathias Pichler gründete er die App warrify, eine virtuelle Sammelstelle für sämtliche Garantieansprüche. Heute unterrichtet Simon Hasenauer selbst an der IMC FH Krems und ist Geschäftsführer von warrify, das sich über die Jahre weiterentwickelt hat. 

Portrait von Simon Hasenauer

Simon Hasenauer hat „Unternehmensführung und E-Business Management“ an der IMC FH Krems studiert. Heute unterrichtet Simon Hasenauer selbst an der IMC FH Krems und ist Geschäftsführer von warrify.

In welcher Hinsicht war das Studium Unternehmensführung und E-Business Management hilfreich für Ihre Karriere?

Am Ende des Tages wird Studierenden eine sehr gute Basis in den Kernbereichen der Betriebswirtschaft geboten, wobei es dann aber wieder an einem selbst liegt, was man damit macht. Was ich sehr positiv herausheben möchte, sind die Workshops und Kurse, welche die FH außerhalb des Curriculums anbietet. Dazu zählt zum Beispiel der „Ideation Playground“, wo auch unsere Idee damals geboren wurde. Ich denke, dass es auch in Zukunft wichtig sein wird, dass man vor allem in den wirtschaftsnahen Studiengängen den Studierenden schon während der ersten Semester eine Einführung in die Welt des Entrepreneurship bietet. Sehr gut gefällt mir dabei der Ansatz im Studiengang Business Administration, der im neuen Curriculum im ersten Semester eine Impuls-Lehrveranstaltung zum Thema Entrepreneurship beinhaltet. Diese Vorlesung durfte nun auch ich als externer Lektor übernehmen und habe dabei gemerkt, wie gut das Thema von den Studierenden aufgenommen wird.

Was machen die vier Gründer von warrify heute?

Wir sind seit der offiziellen Firmengründung im Sommer 2019 drei Gründer: Enzo Duit, Matthias Pichler und ich. Jan Kreuter, der ebenfalls mit Enzo und mir studiert hat, ist im Frühjahr 2019 ausgestiegen, nachdem er während seines Masterstudiums Data Analytics in Warwick großes Interesse für andere Bereiche entdeckt hat.

Was macht warrify? Welche Vorteile haben Händlerinnen und Händler einerseits und ihre Kundinnen und Kunden andererseits dadurch?

warrify ist ein B2B SaaS (Software as a Service) Unternehmen, das sich auf die Digitalisierung im Handel spezialisiert hat. Vereinfacht geht es bei warrify darum, aus dem Ende jedes Einkaufs den Start einer neuen Kundinnen- und Kundenbeziehung zu schaffen. Dafür machen wir aus dem herkömmlichen Kassenbeleg an der Kassa für Händlerinnen und Händler einen digitalen Kundinnen- und Kunden-Touchpoint direkt auf das Smartphone der Kundinnen und Kunden. warrifys smarter Beleg kann mit zusätzlichen Informationen und interaktiven Modulen, wie zum Beispiel einem personalisierten Kupon, passenden Produkten oder Zubehör, basierend auf dem Einkauf, angereichert werden. So können Händlerinnen und Händler selbst mit ihren anonymen Laufkundinnen und -kunden nach dem Einkauf zielgerichtet interagieren. Konsumentinnen und Konsumenten brauchen dabei nicht einmal eine App oder müssen sich registrieren, sondern bekommen über einen einfachen QR-Code-Scan an der Kassa ihren Kassenbeleg direkt im Browser ihres Smartphones. Von dort aus können sie selbst entscheiden, ob sie den Beleg als PDF herunterladen oder bei warrify ein Profil für all ihre Einkäufe anlegen wollen.

Das Land Niederösterreich hat die warrify-Gründer damals ausgewählt, um an der Berkeley Summer School im amerikanischen Silicon Valley teilzunehmen. Was hat Ihnen die Teilnahme gebracht?

Die Teilnahme an der Summer School der UC Berkeley (BMOE) fand zu einem Zeitpunkt statt, als alles noch in Kinderschuhen steckte und wir gerade einmal ein paar Monate an einer Idee bzw. einem Konzept getüftelt hatten. Dennoch war die BMOE eine super Gelegenheit für uns, bereits in einer frühen Phase die amerikanische Sichtweise und Mentalität in Bezug auf Entrepreneurship kennenzulernen. Das Feedback sowie die Inputs und Erfahrungswerte, die wir im Rahmen der Sessions mit Expertinnen und Experten und der Company Visits im Silicon Valley sammeln durften, waren sehr wertvoll für die weitere Ausarbeitung unserer Idee.

Und wie sieht es mit Start-up-Bewerben aus? Bringen sie mehr als Artikel in Zeitungen und kleine Finanzspritzen?

Wir sind der vollen Überzeugung, dass es bei sämtlichen Formaten, sei es ein Start-up Pitch, ein Inkubator-Programm oder gar ein Accelerator, immer um die Menschen und Persönlichkeiten geht, die man im Zuge dessen kennenlernen darf. Letztendlich geht es primär darum, was man als Team aus den vorgegebenen Rahmenbedingungen macht, um das Beste für sich selbst herauszuholen. Daher würde ich Start-up-Bewerbe auch nicht wirklich in einen Vergleich mit Artikeln oder Finanzspritzen setzen, da für den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens früher oder später all diese Dinge eine bedeutsame Rolle spielen. Als Beispiel: Unser Auftritt bei „2 Minuten 2 Millionen“ hat unter anderem sehr dabei geholfen, eine gewisse Glaubwürdigkeit am Markt zu erzielen, sodass auch größere Unternehmen zumindest ihre Türen für ein Erstgespräch aufgemacht haben.

Wie sah die Entwicklung von warrify aus? Was ist nach dem Launch passiert?

Losgestartet sind wir mit der Idee, Nutzerinnen und Nutzern eine zentrale Plattform für alle Rechnungen, Garantien und sonstigen Dokumente zu bieten, damit man diese zu jedem Zeitpunkt bei der Hand hat, wenn man sie beispielsweise für einen Garantieanspruch braucht. Diese App haben wir dann auch Anfang 2019 rund um unseren Auftritt bei „2 Minuten 2 Millionen“ gelauncht. Schnell hat sich aber der damals sehr aktuelle Trend, dass die Bereitschaft bei den Menschen zunehmend fehlt, für alles eine eigene App herunterzuladen, bewahrheitet. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, ein paar Tausend „Early Adopters“ zu gewinnen. Diese haben unsere App auch sehr fleißig verwendet, mehrmals pro Woche wurden Rechnungen hinzugefügt. Allerdings merkten wir dennoch relativ bald, dass der Aufbau sowie die weltweite Verbreitung einer solchen App nicht greifbar schienen. Gepaart mit der Einführung der Belegerteilungspflicht Anfang 2022 in Deutschland kam es dann letztendlich zu unserem Pivot. Wir haben unser gesamtes System umgestellt und unseren Fokus von B2C auf B2B gelenkt, um Handelsunternehmen zu ermöglichen, digitale Belege direkt an der Kassa an Kundinnen und Kunden auszustellen. Mit der Zeit haben wir dann gemerkt, dass eine reine digitale Belegübergabe allein für das Handelsunternehmen wenig Mehrwerte liefert. So haben wir dann unsere Wertschöpfungskette sukzessive erweitert hin zu dem, wo wir heute stehen.

Lässt sich der Erfolg von warrify in Zahlen ausdrücken?

Seit dem Pivot unseres Unternehmens vor rund eineinhalb Jahren haben wir es geschafft, ein Team von zehn Leuten aufzubauen und sechs sehr große und namhafte Unternehmen als Kunden zu gewinnen – darunter Österreichs größten Mobilfunkanbieter A1, EP: Electronic Partner, die Globus Baumärkte sowie die Möbelhandelskette porta. Außerdem konnten wir uns von null Euro Umsatz auf einen sechsstelligen jährlich wiederkehrenden Umsatz hocharbeiten und freuen uns, mit dem Jahresende 2021 über 700.000 Einkäufe über unsere Software erfolgreich verarbeitet zu haben.

Wie ticken junge Start-up-Gründer privat? Was begeistert Sie?

Ich weiß nicht, inwieweit man das verallgemeinern kann, aber was ich in unserem Fall sagen kann, ist, dass Enzo und ich eine große Leidenschaft für alle möglichen Arten von Sport teilen. Enzo spielte früher intensiv Fußball und absolvierte unlängst seinen ersten Ironman. Ich selbst habe während meines Studiums in der österreichischen Bundesliga Volleyball gespielt. Matthias liebt es vor allem, sich in neue Dinge einzulesen und brandneue Technologien anzuwenden – nicht nur beruflich, sondern auch privat. Generell ist wohl das Interesse, neue Dinge zu probieren und zu lernen, die Eigenschaft, die uns alle drei am meisten auszeichnet.

Welchen Tipp haben Sie für junge Kreativköpfe, die überlegen, mit einer Idee durchzustarten?

Gebt euren Ideen ganz einfach einmal eine Chance und nutzt proaktiv die Zeit, beispielsweise neben dem Studium, um an euren Ideen zu tüfteln. Wir sehen im Nachhinein ganz klar, dass das letzte Studienjahr mit Abstand das wertvollste war, weil wir die Möglichkeit hatten, die in der Vorlesung erlernten Dinge direkt auf unser eigenes Projekt anzuwenden und auch diverse Gruppenarbeiten haben wir basierend auf unserer Idee machen dürfen. Hier wird von den Professoren in der Regel eine große Offenheit an den Tag gelegt. Ansonsten können wir jungen Kreativköpfen nur den Tipp mit auf den Weg geben, dass die nötige Portion Ausdauer, an einer Idee dranzubleiben in Kombination mit der Bereitschaft, stets neue Dinge zu lernen und Fehler zuzulassen, maßgebliche Elemente auf der Reise hin zu einer Start-up-Gründung sind.

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