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Starke Initiativen und Unternehmensgründung in Coronazeiten

Zwei Absolventinnen der IMC FH Krems, die sich beruflich mit dem Spagat zwischen Karriere, Familie und Kinderbetreuung beschäftigen, haben wir interviewt. Die eine hat vor kurzem ihr Unternehmen "Career Mum" gegründet, die andere ist schon längere Zeit mit “KindundKarriere” und Arbeitswelten Consulting selbstständig tätig. Am Telefon erzählten uns die beiden Powerfrauen über ihre derzeitige Situation und wie sie mit den aktuellen Herausforderungen zurechtkommen.

Absolventinnen Gabler und Walter gründen Unternehmen

Ruth Gabler-Schachermayr gründete vor kurzem ihr Unternehmen „Career Mum“. Irene Maria Walter ist bereits seit längerem mit „KindundKarriere“ und Arbeitswelten Consulting selbstständig tätig.

Irene Maria Walter: Bleiben wir positiv und tun wir was wir können! 

Irene Maria Walter ist Absolventin des Master-Studiengangs "Management von Gesundheitsunternehmen". Sie begleitet Unternehmen im Audit "berufundfamilie" sowie bei weiterführenden Projekten und Aktivitäten, etwa in der Burnout-Vorsorge, in Workshops für Eltern und Führungskräfte oder bei der Erstellung von Karenzmanagement-Leitfäden und Informationsbroschüren. 
Sie rief aufgrund der aktuellen Situation die Plattform “starkeEltern.jetzt” ins Leben, um das Familienleben zuhause in den nächsten Wochen trotz Ausnahmesituation glücklich zu meistern. 

"Was gibt dir Kraft und wie organisierst du dich und hast du einen konkreten Tipp für die Eltern"? - Auf das Hier und Jetzt einlassen 

Als "working mum" gibt mir Kraft, dass ich fest daran glaube, dass jede Krise, jeder Rückschlag letztlich auch Chancen und Fortschritt mit sich bringt. Ich organisiere mich bzw. uns, indem ich jeden Tag grob strukturiere und mich eng mit meinem Partner abstimme (Zeitfenster für Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt etc.). Aktuell arbeiten wir beide im Homeoffice und wechseln uns mit der Kinderbetreuung ab. 
So sehr uns das als „planende Wesen“ verunsichern mag, die aktuelle Situation zwingt uns gewissermaßen unsere Gedanken an die Zukunft, unsere Pläne vorerst loszulassen. Wenn wir dies schaffen und akzeptieren, dann können wir uns jeden Tag auf das Hier und Jetzt einlassen und genießen was wir da alles erleben, mit unseren Kindern und unserem Partner bzw. Partnerin. Und: Ein bisschen Chaos darf sein, nehmen wir die Dinge locker und verabschieden uns vom Perfektionismus, denn - aktuell kommt ja ohnehin niemand zu Besuch. 

"Deine persönliche Einschätzung, wie wird es nach der Krise sein”?  

Wir sollten die Situation als “Gamechanger” begreifen und Risikomanagement mit Klimaschutz und modernen Arbeitswelten vereinen. 
Wir sollten die Situation als „Gamechanger“ begreifen, um uns von veralteten Denkmustern zu verabschieden und auf wichtige Werte zu besinnen. Viele Unternehmen haben zugunsten kurz- bis mittelfristiger Gewinnmaximierung den Fokus auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg aus den Augen verloren. Jetzt könnten die Weichen gestellt werden, um Risikomanagement mit Klimaschutz und modernen Arbeitswelten erfolgreich zu vereinen (z.B. weniger Dienstreisen, mehr Flexibilität bzgl. Homeoffice, Job- und Top-Sharing etc). 

Und auch auf persönlicher Ebene könnten wir begreifen, dass es Verhaltensänderungen bedarf und wir lernen müssen in vielen Bereichen langfristiger zu denken. Ein Beispiel ist unser Konsum: Kaufen wir lieber um ein paar Prozent günstiger bei globalen Online-Shops wie Amazon & Co., an die (fast) keine heimischen Arbeitsplätze gebunden sind, oder entscheiden wir uns bewusst für nationale Onlineshops und/oder regionale Anbieter, um unsere Wirtschaft zu stärken?! 

Überdenken wir unsere Reisetätigkeit und Mobilität, um den uns nachfolgenden Generationen noch eine lebenswerte Welt zu hinterlassen? Wir haben einzeln wie gemeinsam das Ruder in der Hand JETZT etwas zu bewegen. In diesem Sinne: Bleiben wir positiv und tun wir was wir können! 
 Kontakt: Irene Maria Walter E-Mail
Informationen zu starkeEltern.Jetzt

Ruth Gabler-Schachermayr: Weiterbildung und Förderung in der Karenz neu denken 

Ruth Gabler-Schachermayr absolvierte den Diplom-Studiengang “Unternehmensführung” im Jahr 2005. Danach folgte ein Master-Studium in den USA. Sie bereiste beruflich viele Teile der Welt, um große Fundraising Kampagnen für Kiwanis International umzusetzen. Ruth ist eine der engagiertesten Absolventinnen der Kremser Hochschule. Sie war ehrenamtlich IMC Lady Alumni Ambassador für Frankfurt und ist es derzeit für Wien. Die quirlige Wienerin ist eine international erfahrende Expertin für Fundraising und seit kurzem Gründerin von Career Mum. 

“Was treibt dich an?” - Weiterbildung und Förderung in der Karenz neu denken 

Als Gründerin von CareerMum stehe ich dafür, Weiterbildung und Förderung in der Karenz neu zu denken. Um dies umzusetzen entwickle ich mein sogenanntes “Mumtoring” Programm, das ist Mentoring von und mit Mums – mit Müttern, die ihre Karriere im Fokus behalten wollen: „Karriere-Mums“. Dieses Mentoring-Programm verbindet technologische Tools, Fachwissen und Expert*innen Know-How mit persönlichem Austausch. CareerMum ist eine Plattform, auf der wir einander begegnen, von- und miteinander lernen und individualisierte Lerninhalte und Module maßgeschneidert für unsere Bedürfnisse bekommen und für berufliche und persönliche Ziele nutzen können. Sei in der Entwicklungsphase bis September 2020 mit dabei – unterstütze die Experteninterviews und werde Teil unserer monatlichen Events und der CareerMum Community! 

"Was gibt dir Kraft und wie organisierst du dich”? - Ich bin eine pathologische Optimistin 

Ich blicke einerseits immer positiv in die Zukunft – mich hat eine Freundin als „pathologische Optimistin“ beschrieben – und lebe andererseits im Hier und Jetzt. Das bedeutet die Zeit jetzt auch intensiv zu nützen um „beschleunigt zu entschleunigen“. Mir bewusst Zeit zu nehmen für neue Spiele mit meinem Sohn, lange Spaziergänge, Neues zu entdecken, mich weiterzubilden. 

Die Solidarität in unserer Gesellschaft ist einmalig, vom Team Österreich über die vielen Hilfsangebote der Einzelnen bis hin zu tollen “Mompreneurs” Tauschbörsen; das alles gibt mir Kraft und zeigt auf wie wir gemeinsam Krisen bewältigen können wenn wir zusammen halten. 
Ich nütze diese Zeit aber auch um mich vorzubereiten auf die neuesten Entwicklungen, vor allem in der digitalen Welt, die sich durch die Krise extrem beschleunigt hat. In den letzten Tagen habe ich die verschiedensten Konferenzsoftware Lösungen ausprobiert, um eine für mich passende Lösung zu wählen und auch meine Angebote und Ideen umzustellen. Und wenn ich einmal wirklich nicht mehr weiterweiß, dann schenkt mir das Lächeln meines Sohnes immer Kraft. 

“Hast du einen konkreten Tipp für die Eltern?" - Es gibt einen Tagesrhythmus bei uns 

Da es einen Tagesrhythmus für uns und unseren Sohn gibt, von den Mahlzeiten über „Spielzeiten“, und dem Homeoffice und Konferenz-Calls und dabei Abwechslungen zwischen mir und meinem Mann, der natürlich auch eine große Unterstützung ist. Und wenn er einmal nicht ganz so früh munter ist wie ich, dann wird er auch schon einmal aufgeweckt. 
In den Schlafphasen unseres Sohnes wird im Homeoffice gearbeitet, an meiner Unternehmensidee „CareerMum“ aber auch im freiwilligen Engagement in meiner Funktion als Junge Wirtschaft Vorstandsmitglied oder als JCI Councellor auf Europaebene. Meetings werden geplant, Dinge nach Trello-Boards und anderen Tools abgearbeitet und zwischendurch bleibt auch genügend Zeit für Gespräche mit Freunden, Bekannten und Verwandten. Dafür nehme ich mir jeden Tag auch mindestens eine Stunde – das ist vor allem jetzt in der Zeit extrem wichtig und mir auch ein großes Bedürfnis.  

Wirf einen kritischen Außenblick auf dein Leben 

Überlege dir welche Chancen und Möglichkeiten die Krise bietet. Im Alltag fehlt uns oft die Zeit für diese Dinge, um auch einmal kritisch einen Blick von außen auf unser Leben, und/oder unser Unternehmen zu werfen. 
Jetzt haben wir diese Möglichkeit, die uns nicht nur vor Augen führt wie endlich unser Leben ist und was wirklich zählt (unsere Liebsten, unsere Verwandten), sondern auch eine Chance bietet Dinge einmal anders zu machen. Strategisch zu planen, unser Netzwerk online zu erweitern, Tutorials und Kurse zu machen – es gibt Möglichkeiten gestärkt aus dieser Krise herauszugehen. 

“Deiner persönlichen Einschätzung nach, wie wird das Leben nach der Krise sein?” - Trendumkehr von global zu lokal 

Persönlich glaube ich, dass wir auch gestärkt als Gesellschaft aus dieser Krise herauskommen werden, weil wir uns wieder mehr mit den anderen Generationen auseinandergesetzt haben und Zusammenhalt gelebt haben in den vergangenen Wochen. Der neue achtsame Umgang, den auch einige Zukunftsszenarien beschreiben ist, denke ich, nicht nur eine Utopie und kann durchaus Realität werden. Kombiniert mit der Besinnung auf mehr Nachhaltigkeit, der Trendumkehr zu lokal statt global und die Werte und Zeit auf das Wesentliche zu legen ist das doch auch eine sehr schöne Vorstellung, in der ferneren Zukunft. 

Und zusätzlich wird das Menschliche noch mehr an Kraft gewinnen, neue Kooperationen werden entstehen und nicht alles wird nur im Wettbewerb gesehen (vor allem unter Frauen), und das passiert schon jetzt und wird sich noch weiterentwickeln. Eine positive Trendumkehr in einigen der erwähnten Bereiche, dem kann ich nur zustimmen und freue mich darauf. 

Kontakt: Ruth Gabler-Schachermayr E-Mail
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