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Story #Applied Chemistry#Forschung

Mut zum Neuanfang in Applied Chemistry

#youngscientists: Lisa Rausch-Wendl, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Labortechnikerin

Lisa Rausch-Wendl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Labortechnikerin im Institut Biotechnologie, Department Life Sciences an der IMC Fachhochschule Krems.
Die Absolventin des Studiengangs „Applied Chemistry“ beschäftigte sich in ihrer Bachelor-Arbeit mit der Analyse von Nebenprodukten der Cellulose-Herstellung und deren sinnvollem Einsatz zur Reduktion der Müllproduktion. Im Interview spricht sie über ihre berufliche Neu-Orientierung, ihr Chemiestudium, Rollenklischees und ihre Forschungsarbeit im Labor.
 

Porträt von Lisa Rausch-Wendl

Lisa Rausch-Wendl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Labortechnikerin im Institut Biotechnologie, Department Life Sciences an der IMC Fachhochschule Krems.Im Interview spricht sie über ihre berufliche Neu-Orientierung, ihr Chemiestudium, Rollenklischees und ihre Forschungsarbeit im Labor.

Nach mehreren Berufsjahren als Sozialpädagogin hast du dich entschieden, einen ganz konträren Weg einzuschlagen. Woher kam dein Wunsch der Neu-Orientierung?

Als Sozialpädagogin komme ich aus einem sehr weiblich dominierten Berufsfeld. Ich war in der Kinder- und Jugendwohlfahrt tätig, wo ich im multiprofessionellen Team fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche im familienähnlichen Verband betreute. Mein Schwerpunkt lag auf traumapädagogischen Konzepten und der Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen. Einfach gesagt: auffangen, Halt geben und Perspektiven eröffnen.
Nachdem ich jahrelang bemüht war, die Kids dabei zu unterstützen Halt zu finden und über den Tellerrand zu schauen, habe ich beschlossen, diesen Schritt auch für mich zu setzen und meiner Leidenschaft für die Wunder der Natur Raum zu geben, indem ich mich beruflich neu orientiere. 

Warum hast du dich für das Studium Applied Chemistry entschieden?

Als ich erfuhr, dass an der IMC FH Krems ein Chemiestudium angeboten wird, habe ich mich getraut, diese Veränderung in Angriff zu nehmen. Mein Mann hat mich darin bestärkt und mir diesen großen Schritt durch seinen Rückhalt und seine Unterstützung ermöglicht. Für mich war der Einstieg in die Chemie ein mutiger Schritt und ich bin jeden Tag froh ihn gewagt zu haben. 

Was macht diesen Studiengang einzigartig?

Das Fach an sich ist kein leichtes, aber durch die gut durchdachte Organisation werden Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Einerseits sind die praktischen Übungen inhaltlich auf die Theorieeinheiten abgestimmt, andererseits habe ich die Garantie, dass ich jedes Semester im Labor arbeiten kann und nicht hoffen muss, dass ich einen Platz bekomme. Auch der gute Betreuungsschlüssel hat mich überzeugt. Die Lektorinnen und Lektoren nehmen sich stets Zeit für Fragen und sind sehr interessiert an einem fachlichen Diskurs. Aber auch der klassenähnliche Verband hat Vorteile. In Lerngruppen, die sich wie von selbst ergeben, profitiert man von der Gemeinschaft sehr stark. Und zu guter Letzt ist auch die schöne Umgebung, die Wachau, ein gutes Argument für ein Studium an der IMC FH Krems. 

In welchem Forschungsprojekt arbeitest du?

Ich bin im Bereich der organischen Chemie tätig und durfte im Institut für Chemie nachwachsender Rohstoffe bei Univ.-Prof. Dipl.-Chem. Dr.rer.nat. Dr.h.c. Thomas Rosenau an einer Syntheseroute arbeiten. Mein Projekt beschäftigte sich mit den Eigenschaften von technischem Lignin, einem Nebenprodukt der Cellulose-Herstellung, für das es bis dato noch keine sinnvolle Verwendung gibt. 
Dieses Projekt zeigt, dass sich Chemie stark mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Green Chemistry inkludiert einerseits, wie bei meinem Projekt, die Analyse von Nebenprodukten und weiterführend deren sinnvollen Einsatz, um dadurch die Müllproduktion drastisch zu reduzieren, aber andererseits auch die Optimierung von Produktionsprozessen sowie Prozessentwicklung zur Wiederaufbereitung und Wiederverwendung von Lösungsmitteln in großen Fabriken.

Wie kann man sich die Vorgänge hier vorstellen?

Aufgrund der Komplexität von Lignin ist seine Analyse äußerst schwierig. Eine noch unerklärte Eigenschaft ist, dass technisches Lignin fluoresziert und natürliches Lignin nicht. Die Idee hinter meinem Projekt war, dass während des Cellulose-Herstellungsverfahrens im Lignin eine bestimmte Reaktion stattfindet, die ein fluoreszierendes Produkt liefert. Diese Reaktion habe ich Stück für Stück nachgebaut. Weiterführend würde ich gerne unterschiedliche Lignin-Proben unter den erprobten Bedingungen mit dem Reagenz versetzen und die Fluoreszenz des Lignins davor und danach messen. Dies würde ich mit unterschiedlichen Lignin-Proben, abhängig von diversen Faktoren wie dem genauen Gewinnungsprozess, dem Ursprung der Rohstoffe und dem Aufbereitungsprozess, wiederholen. Ziel ist, die Herkunft der fluoreszierenden Eigenschaft von Lignin zu verstehen, um weiterführend damit arbeiten zu können. 

Was war ein besonderer Moment im Rahmen deiner Forschungsarbeit?

Ein besonderer Moment war definitiv, als ich zum ersten Mal wunderschöne große Kristalle züchtete und mir mittels Analytik bestätigt wurde, dass ich ein besonders reines Produkt erzeugt habe. In diesem Moment war ich sehr motiviert, alle Schritte mit Derivaten zu wiederholen, um den Reaktionsmechanismus nicht nur zu erahnen, sondern auch zu beweisen.

Was motiviert dich besonders an deiner Forschungsarbeit?

Das Neue. Ich imitiere nicht einfach, was vor mir schon geschafft wurde. Ich mache wirklich etwas ganz Neues, das vor mir noch keiner versucht hat. Das schüchtert natürlich einerseits ein, andererseits erfüllt es mich gleichermaßen mit Demut, aber auch Stolz. 

Was denkst du persönlich, was Frauen in der Wissenschaft brauchen? 

Gleiche Chancen. Das fängt allerdings nicht im Studium oder in der Forschung an, sondern bereits im Kindergarten, wo Mädchen in der Puppenecke spielen sollen. In der Schule wird Mädchen leider noch immer sehr häufig vermittelt, dass Naturwissenschaft doch für Jungs prädestiniert sei. Zum Zeitpunkt der Studien- oder Berufswahl wurden Mädchen und junge Frauen bereits jahrelang dahingehend sozialisiert, dass Chemie, Mathematik und Physik ohnehin zu schwer für sie sind. Es freut mich deshalb umso mehr, dass im Studiengang Applied Chemistry die Frauenquote bei etwa der Hälfte liegt. Das zeigt meiner Meinung nach klar auf, dass der Trend in die richtige Richtung geht und an der IMC FH Krems ein zeitgerechter Umgang mit dem Thema gefunden wurde.

Über Lisa Rausch-Wendl 

Lisa Rausch-Wendl, BSc hat nach mehreren Berufsjahren in der Sozialpädagogik das Bachelor-Studium Applied Chemistry an der IMC Fachhochschule Krems absolviert und arbeitet nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Labortechnikerin im Institut Biotechnologie. Sie ist 31 Jahre alt, kommt aus dem Pielachtal und hat eine Leidenschaft für den Hundesport und das Handarbeiten.

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