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Story #Alumni#Advanced Nursing Practice#Gesundheit

Eine Stimme für die Pflege

ANP Absolventin Karin Eder im Interview

In der Öffentlichkeit wird das Bild des Pflegeberufes der Realität oft ganz und gar nicht gerecht. Karin Eder ist Absolventin von Advanced Nursing Practice an der IMC FH Krems. Ihr geht die öffentliche Diskussion über Menschen mit Demenz, Pflegeausbildung und Stigmatisierungen hörbar ans Herz.

Portrait von Karin Eder

"Endlich mehr Anerkennung, eine Gleichstellung mit Berufsgruppen wie der Ärzteschaft. Wir müssen beide studieren, um bei den Patientinnen und Patienten bzw. Betroffenen zu sein. Wir sollten auch gleichwertig Anerkennung bekommen," wünscht sich Karin Eder für die Zukunft des Pflegeberufs

Karin Eder, BSc, MSc ist eine echte Pflegeexpertin: Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin und Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser. Sie setzt sich nicht nur für ihre Patientinnen und Patienten ein, sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen und den gesamten Pflegeberuf. Das Handwerkszeug dafür hat sie unter anderem an der IMC FH Krems gelernt – und dort gibt sie ihr Wissen auch weiter.

Sie haben als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin den Advanced Nursing Practice Studiengang an der IMC FH Krems absolviert. Was waren Ihre Motive dafür?

Ich kam aus der Wissenschaft (Genetic Research Lab Novartis Wien) und habe in die Pflege gewechselt. Dann wollte ich ein Studium wählen, das die Praxis vertieft und Theorie und Praxis optimal verbindet, aber nicht den reinen wissenschaftlichen Fokus, sondern den Praxisfokus hat und somit einen besseren Theorietransfer in die Praxis im Sinne von Evidence-based Nursing ermöglicht.

Haben sich Ihre Erwartungen an das Studium erfüllt?

Oh ja! Advanced Nursing Practice an der IMC FH Krems ist DER optimale Studiengang für mich gewesen, weil es inhaltlich fordernd war und trotzdem sehr praxisnah.

Was fanden Sie besonders gut?

Ich hatte das große Glück, in der zweiten Kohorte viele internationale Referentinnen zu genießen wie Monika Linhart und Berta Schrems. Das Denken über den Tellerrand hinaus wurde gefördert. Ein Highlight war, NANDA-NIC-NOC vertieft zu lernen – das sind Pflegediagnose-, -interventions- und -ergebnisklassifikationen. Dr. Gatterer hat in Gerontopsychiatrie genial unterrichtet.

Welche Themen beschäftigen Sie in Ihrem Beruf derzeit ganz besonders?

Unterschiedlichste, meine Stelle ist sehr vielfältig. Ich bin einerseits in der Leitung, aber andererseits sehr nah an meinen Bewohnerinnen und Bewohnern und auch ab und zu in der Praxis und versuche immer wieder, die Praxis weiterzuentwickeln, Abläufe zu optimieren und den Führungsstil anzupassen. Wir sind AAL-Testhaus (Active Assisted Living) und immer offen für Innovationen auch im elektronischen Bereich, das macht Spaß! Ich bin als Leitung des Demenz-Kompetenzteams auch für die fachliche Expertise im Unternehmen mit verantwortlich und die Erarbeitung neuer Themen zum Bereich Unterstützung von Menschen mit Demenz ist mir ein großes Anliegen. Dazu leite ich auch den #demenzRAUM, eine Initiative im Rahmen der österreichischen Demenzstrategie, die durch den niederschwelligen Zugang – online via Zoom oder auf Youtube zum Nachsehen – eine bunte Perspektivensicht zum Thema Demenz und Vergesslichkeit für pflegende An- und Zugehörige, Betroffene und Interessierte bietet. Mehr dazu unter: kwp.at/mitwirken/demenzraum/

Auch als Lehrende an der IMC FH Krems sind Sie tätig. Welche Themen brauchen mehr Aufmerksamkeit in der Ausbildung?

Das Unterrichten an der IMC FH Krems ist für mich wichtig, um unsere zukünftigen Pflegekräfte so gut wie möglich zu unterstützen und wichtige Themen aus der Praxis einbringen zu können. Gerade die Langzeitpflege wird oftmals missverstanden. Für mich ist sie die Königsdisziplin in der Pflege. Es bräuchte auf jeden Fall mehr Grundausbildung in der gerontologischen Pflege und zum Thema Demenz und Umgang mit MmD (Menschen mit Demenz).

Das Bild der Pflege scheint in der Öffentlichkeit oft verzerrt und wenig realistisch. Wie könnte man dem entgegenwirken?

Wir Pflegepersonen müssen gemeinsam und auch einzeln immer daran arbeiten, das Bild, das die Öffentlichkeit von uns hat, mitzugestalten. Wir müssen die Stimme sein, nicht über uns reden lassen, sondern selbst reden. Es braucht Selbstverantwortung und eine Stimme.

Wie können Bildungseinrichtungen dazu beitragen, um das Bild zurechtzurücken?

Durch Medienberichte und durch den geeigneten Unterricht (Berufskunde) sowie politisches Engagement und auf Kongressen. Je mehr Stimmen umso besser. Wir haben eine fundierte und gute Ausbildung, wir müssen dies auch der Öffentlichkeit klar machen!

Das Thema Demenz rückt immer mehr in den Fokus. Was braucht es, damit wir einen besseren Umgang mit Betroffenen lernen? Welche Maßnahmen gegen die Stigmatisierung Demenzkranker wären Ihrer Ansicht nach angebracht?

Diverseste! Es braucht gutes Fachwissen und die Möglichkeit niederschwelliger Beratungsangebote. Wir haben mit dem #demenzRAUM versucht, ein sehr niederschwelliges Angebot für alle Interessierten anzubieten. Wir müssen hinsehen und darüber reden – nicht wegsehen. Es geht nur mit Inklusion, aber ohne Zwang. Es braucht Ansprechpartnerinnen und -partner und Stakeholder. Gerade hier braucht es auch viel Information für Journalistinnen und Journalisten, um das Thema behutsam an die Öffentlichkeit zu bringen. Menschen mit Demenz müssen ebenso als Stakeholder/Lobby angesprochen und eingebunden werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Pflegeberufes?

Endlich mehr Anerkennung, eine Gleichstellung mit Berufsgruppen wie der Ärzteschaft. Wir müssen beide studieren, um bei den Patientinnen und Patienten bzw. Betroffenen zu sein. Wir sollten auch gleichwertig Anerkennung bekommen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pflegeausbildung?

Eine Weiterentwicklung nach vorne, nicht zurück. Weg von verkürzten Ausbildungen und hin zu attraktiven inhaltlich gut gestalteten Fachausbildungen, welche die Menschen befähigen, gut in der Pflege arbeiten zu können. Das kann man nur mit fundiertem Wissen. Dieser Weg muss bestärkt werden.

Über Karin Eder:

Karin Eder absolvierte die Wiener HTL für Chemie, studierte Mikrobiologie und Genetik an der Universität Wien und arbeitete als Werkstudentin beim Pharmakonzern Novartis. Dann wechselte sie jedoch in die Pflege, machte eine Ausbildung zur diplomierten Pflegekraft, studierte Advanced Nursing Practice an der IMC FH Krems und in Pflegepädagogik an der Karl-Franzens-Universität Graz. Nach Positionen in der Pflege ist sie nun in der Pflegeausbildung tätig, als Demenzberaterin, Lehrende und Journalistin sowie als Direktorin beim Kuratorium Wiener Pensionisten Wohnhäuser im Haus Hetzendorf. Eines ihrer Schwerpunktthemen sind Menschen mit Demenz.

„Das Master-Studium Advanced Nursing Practice ergänzt das Gesundheits- und Krankenpflegediplom und pflegerische Vorerfahrung mit einer spezialisierten klinischen Praxis und Forschungsexpertise. Neue Perspektiven und Handlungsfelder werden entwickelt, um Praxisentwicklung umsetzen zu können.“ sagt Markus Golla, BScN, MScN, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft/Studiengangsleiter Gesundheits- & Krankenpflege

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