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Story#Wirtschaft#Interviews

Daniel McCole an der IMC FH Krems: Skifahren, Weintourismus

Daniel McCole, Ph.D. ist Professor im Department of Community Sustainability an der Michigan State University (MSU).

Daniel - McCole

Daniel McCole, Ph.D. von der Michigan State University forscht und lehrt ein Semester lang an der IMC FH Krems.

Durch ein Fulbright Scholarship ist er an die IMC FH Krems gekommen, wo er im Sommersemester am Department of Business forscht und lehrt. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit von Gemeinschaften im Bereich Tourismus und Entrepreneurship.

Wein als Tourismusmotor in lokalen Gemeinschaften

„Gemeinschaften sind ein kompliziertes System, wir verwenden Zugänge aus verschiedenen Disziplinen, um sie zu verstehen und in diesem Zusammenhang wiederum Tourismus und Unternehmertum und deren Einfluss – positiv wie negativ – auf die Gemeinschaften zu analysieren“, schildert Daniel McCole, womit er sich an der Michigan State University beschäftigt. In seiner Forschung hat er sich insbesondere mit dem Weintourismus in der Region auseinandergesetzt. Das kam daher, dass in der Gegend, in der er lebt und arbeitet, gleich beim See Superior, die Anzahl der kleinen Weingüter stetig anstieg. Die Betriebe produzieren nicht sehr viel Wein, aber sie haben tolle Verkostungsräume und dienen der lokalen Bevölkerung sowie Touristen als willkommene Ausflugsziele. Daraus haben sich neue Geschäftszweige in der Region ergeben. Es handelt sich dort in Michigan zwar um kein typisches Weinanbaugebiet, aber der Boden und die Witterungsverhältnisse eignen sich gut, um vor allem Weißweinsorten wie Rieslinge und andere „German-style Wines“ anzubauen. „Der Vorteil bei der Weinproduktion ist, dass die gesamte Wertschöpfung in der Region bleibt, da die Weintrauben gleich direkt verarbeitet werden“, erklärt McCole. Ein Vorteil gegenüber anderen Feldfrüchten wie etwa Getreide, das zur Verarbeitung weitertransportiert wird. Ihre Weine verkaufen die Weinproduzenten zudem meist gleich direkt ab Hof und nicht über Händler oder in Restaurants.

Soziales Unternehmertum

„Ich habe immer auch Interesse an Entrepreneurship bzw. eigentlich Social Entrepreneurship gehabt“, erzählt Daniel McCole. Unter sozialem Unternehmertum wird eine unternehmerische Tätigkeit verstanden, die sich innovativ, pragmatisch und langfristig für die Lösung sozialer Probleme bzw. für einen positiven Wandel der Gesellschaft einsetzt.
Gemeinsam mit einem Kollegen an der Michigan State University, der aus Botswana stammt, arbeitet er an einem Projekt, um die Jugendarbeitslosigkeit in Afrika zu verringern. „Afrika hat eine sehr große Jugendpopulation, 60 % der Bevölkerung von Sub-Sahara Afrika ist unter 25 Jahre alt“, so Daniel McCole. Dieser Wert liegt in den USA und in Österreich bei 30-35%. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Der Schwerpunkt seines Projekts, das in Tansania, Botswana und Ghana umgesetzt wird, liegt dabei auf der Unternehmensgründung. Es soll das Interesse an der Unternehmensgründung unter den 16-19-jährigen wecken, dabei bedienen sich die Wissenschaftler am Interesse für Sport und zeigen auf, dass es auch bei einem Unternehmen um ähnliche Fähigkeiten und Fertigkeiten geht. „Kommunikation, Planung, Teamwork oder Risikokalkulation, das sind alles Dinge, die sowohl im sportlichen Wettkampf als auch in einem Unternehmen eine Rolle spielen“, erklärt der MSU-Professor.

Forschen und Lehren in Krems

An der IMC FH Krems unterrichtet Daniel McCole Tourismus und Entrepreneurship in den Studiengängen Marketing and Sales und Tourism and Leisure Management. Er nützt seinen Aufenthalt in Österreich auch zum Forschen. „Ich beschäftige mich in meiner Forschung mit Social Media und Tourismus und habe mich gefreut, dass beispielsweise Christian Maurer hier an der IMC FH Krems auch zu diesem Thema forscht“, so der Wissenschaftler. In diesem Zusammenhang hat er Bewertungsseiten wie beispielsweise "tripadvisor", die es jedem ermöglichen eine Bewertung eines touristischen Angebots abzugeben, untersucht. „Menschen entscheiden sich für oder gegen bestimmte Angebote heute anders als früher“, so Daniel McCole.  Mundpropaganda war immer schon wichtig, wurde aber wichtiger und hätte sich verändert. „Ich kann direkt vor Ort eine Bewertung abgeben, weil mir mein Smartphone das ermöglicht“, schildert McCole. Für ihn war besonders interessant, wie die Entscheidung für oder gegen ein touristisches Angebot beeinflusst wird. Die veränderte Situation hat auch Auswirkungen auf die Anbieter, so müssen sie lernen, wie sie mit den Bewertungen – positiven wie negativen – am besten umgehen und ob sie darauf reagieren. An der IMC FH Krems wird Daniel McCole ein Experiment durchführen, wo es darum geht, welche Faktoren die Entscheidung für ein Angebot beeinflussen. Im Experiment wird es Probanden geben, die Werbung, Probanden, die Werbung und eine Bewertung und Probanden, die Werbung, eine Bewertung und verschiedene Antworten darauf, zu sehen bekommen. So soll herausgefunden werden, wie die verschiedenen zur Verfügung gestellten Informationen zu einem Angebot die Bewertungen bzw. Entscheidungen beeinflussen.

Das Unerwartete erwarten

Daniel McCole freut sich während seiner Zeit an der IMC FH Krems neue Bekanntschaften zu machen, sich auszutauschen und Kooperationen zu initiieren. „Ich habe so viele Erwartungen und jeden Tag kommen neue dazu“, so der MSU-Professor. Er ist der Meinung, dass es vor allem um den Gedanken des Austausches geht, er und seine Familie lernen eine andere Kultur kennen und freuen sich über diese Chance. Er lerne viel von seinen Studierenden, genau wie von seinen Kollegen, schildert McCole und ist dabei überzeugt, dass der Versuch andere Kulturen und Lebensweisen zu verstehen auch die eigene Sicht der Dinge verändert. „Ich erwarte das Unerwartete“, freut sich McCole auf viele manchmal auch überraschende Erfahrungen, die er in Österreich machen wird.

Mit Fulbright direkt nach Krems

„Ich habe mich für die IMC FH Krems direkt beworben“, schildert Daniel McCole, seinen Wunsch gerade ins schöne Niederösterreich zu kommen. Da er ein bisschen Deutsch spricht, oft und gerne nach Österreich zum Skifahren kommt und entweder in ein deutsch- oder englischsprachiges Land wollte, hat sich der Professor der Michigan State University für die IMC FH Krems beworben. Besonders angesprochen haben ihn die Forschungsthemen und, dass er von Anfang an ein gutes Gefühl bei der Sache hatte. Dass sich die IMC FH Krems mitten in einer Weinregion befindet, trifft sich natürlich gut mit den Forschungstätigkeiten des Amerikaners.

Das Fulbright Scholar Programme ermöglicht es dem amerikanischen Wissenschaftler ein Semester an der österreichischen Fachhochschule zu verbringen und hier zu lehren und zu forschen.